Ohrenentzündungen bei Hunden und Katzen

Ohrenentzündungen bei Hunden und Katzen – sind oft sehr schmerzhaft und hartnäckig. Hauptsymptome sind häufiges  Kopfschütteln, Kopfschiefhaltung, Aufschreien beim Kopf streicheln. Hinzu kommt ein übler Geruch, eitriger Ohrenausfluss und Juckreiz.

Warum sind Ohrentzündungen bei unseren Hunden und Katzen oft so hartnäckig?

Weil es nicht nur DIE EINE sondern  VIELE Ursachen und Einflüsse bei der Entstehung einer Ohrentzündung gibt.   Da sind zunächst die primär auslösenden Ursachen: Allergien, Parasiten ( Ohrmilben), Otitis media , Fremdkörper ( Grannen), hormonelle Störungen  (Schilddrüse, Sexualhormone), immunbedingte Hautkrankheiten, Stoffwechselstörung ( Zinkreaktive Hautkrankheit), Hautpilze (Dermatophyten) und Tumore.

Sekundär verstärken sich die Entzündungen durch Besiedlung von Hefen ( Malassezien), Bakterien und durch falsche Ohrreinigung ( z.B. Haare aus dem Gehörgang mit einer Pinzette zupfen) Wegbereitend sind die prädisponierenden Ursachen , die zur Einengung und schlechterem Belüften des äußeren Gehörganges führen: anatomisch bedingt –  Hängeohren z.B. Basset oder Cocker Spaniel) – angeborene Stenosen (Shar Pei, Pinscher ), viel Schwimmen ( Retriever, Magyar Vizsla), starke Ohrbehaarung ( Pudel, Terrier).

Für eine exakte Therapie müssen also die Ursachen gefunden werden.  Aufgrund der schmerzbedingten Abwehrbewegungen der Tiere sowie der nicht Einsehbarkeit des Gehörganges aufgrund von Verschmutzungen und Verengungen ist eine vernünftige otoskopische  Untersuchung meistens nur in Narkose möglich. In unserer Kleintierpraxis nutzen wir zur besseren Übersicht ein Videoendoskop.

Grundlegend ist dabei eine gründliche Ohrspülung  mit einem cerumenlösenden Reiniger in Narkose. Sämtliche Verschmutzungen und „Haarpropfen“( bestehend aus Cerumen, Eiter, abgestorbenes Epithel) werden entfernt, die Intaktheit des Trommelfells überprüft  und gezielt Medikamente  in den Gehörgang tief genug  platziert.  In diesem Zusammenhang werden Proben zur bakteriellen und zytologischen Untersuchung entnommen. Die Zytologie ist bei der Diagnostik chronischer Ohrentzündungen eine sehr wichtige, schnell verfügbare und mit minimalen  finanziellen  Aufwand erhältliche Diagnose! Wichtig ist, dass die zytologische Untersuchung auch von  qualifizierten Tierärzten untersucht wird. Unserer Mitarbeiterin Frau Dr. Janert ist als  Fachtierärztin für Veterinärpathologie in unserer Kleintierpraxis in Braunschweig angestellt und untersucht die Proben direkt vor Ort mikroskopisch auf das Vorhandensein von  Bakterien, Hefen, Pilzen und immunbedingten Störungen. Der Vorteil dieser in house  Diagnostik ist neben der schnellen Verfügbarkeit des Ergebnisses auch die direkte Besprechung mit den behandelnden Tierärzten unserer Tierarztpraxis.  Abhängig von dem Ergebnis können über Blutuntersuchungen weitere Ursachen detektiert werden. (hormonelle / allergische / tumoröse ). Erst dann kann eine zielgerichtete Therapie erfolgen.

Da Ohrenentzündung schmerzhaft sind, neigen die Tiere zur Selbsttraumatisierung (Kratzen, Schütteln), was zu einer weiteren Verengung des Gehörganges, zur verminderten Belüftung und einer erhöhten Feuchtigkeit führt. In Abhängigkeit von dem zytologischen Befund ergeben sich für die topische Behandlung des Ohres verschiedene  Therapieansätze: Bei einer Ohrentzündung ohne Keimbesiedlung wird ein Monokortsionpräparat verabreicht. Werden Bakterien nachgewiesen, wird ein Präparat mit Antibiotika (entsprechend eines Antibiogrammes) und ggf. ein Kortisonpräparat gegeben. Werden nur Malassezien (Hefen) nachgewiesen, dann kommen Medikament mit Anti-Malassezien-Wirkung zum Einsatz. Bei Mischinfektionen (Bakterien und Malassezien)  wird ein Kombi-Präparat verabreicht (Kortison, Anti-Malassezien, Antibiotika). Eine wiederkehrende Verbabreichung dieser trivalenten Ohrpräparate per se und ohne Diagnostik bei chronischen Fällen ist abzulehnen, da dies zur Entstehung multiresistenter Keime führt.

Jetzt zur Frage zur Anwendung von Ohrreinigern im Rahmen der Otitis Therapie.

JA – diese sind wichtig , müssen aber unbedingt richtig angewendet werden. Zur Verbesserung der Wirksamkeit der lokalen antibiotischen Therapie wird  ein Tris-EDTA haltiger Ohreiniger angewendet. Hierbei greift das Tris -EDTA die Bakterienwände an, schädigt damit die Bakterien und erhöht die Wirksamkeit der lokalen antibiotischen Behandlung . Wichtig ist die mindesten 10minütige Einwirkung des Reinigers vor der Installation des lokalen antibiotikumhaltigen Medikaments . WICHTIG: Dieser Ohreiniger darf nur bei intaktem Trommelfell angewendet werden, da sie ototoxisch wirken! Niemals sollte deshalb blind therapiert werden. Ist das Tromellfell infolge massiver Entzündungen nicht sichtbar, wird ein Ohreiniger verwendet, der den Wirkstoff Squalen enthält.  Dieser ist nicht ototoxisch und löst das Zerumen sehr gut bei Ohrspülungen. Von einer häufige und regelmäßige Routinereinigung bei gesunden Tieren mit einem Ohrreiniger raten wir ab. Als Folge entsteht oft eine übermäßige  Mazeration (Aufweichung) des Gehörganges mit der Schädigung der bis dahin gesunden Keimflora. Gute Erfahrung haben wir mit öligen Ohrreinigern, die Manuca enthalten. Danach muss die Ohrmuschel mit einem Tuch kurz gereinigt werden.     Wichtig ist, dass es trotz genauer Diagnosestellung manche Ohrenerkrankungen nicht heilbar, wenn die Ursache zum Bsp. immunmediiert oder allergisch bedingt ist, wohl aber zu lindern sind. Dabei sind immer die prädisponiernden Faktoren zu berücksichtigen (Schwimmen, Gehörgang professionell in Abständen reinigen).

Fragen beantworten wir gerne  – Ihr / euer Team der Kleintierpraxis Dr. Harald Schlenker u. Kollegen in Braunschweig

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